Über Paul

Ich bin in Chur geboren und auf dem Hof, den ich jetzt bewirtschaften darf, aufgewachsen. Hier habe ich schon als kleiner Junge sehr früh angefangen bei der Arbeit zu helfen. Die Landwirtschaft ist mir also quasi in die Wiege gelegt wurden.

Im Jahr 1993 startete ich dann aber erst einmal meine Lehre als Landmaschinenmechaniker. Da dies damals schon sehr anspruchsvoll war, erwies sich dieser Beruf für mich als sehr schwierig zu bewältigen. Aber ich habe es irgendwie geschafft.

Nach der Lehre absolvierte ich den Militärdienst und wurde zum schweren Motorfahrer ausgebildet, mit dem grossen Vorteil, gratis die Lkw Prüfung mit Anhänger machen zu können.

Am 14.Oktober 2001 hatte ich unverschuldet einen schweren Unfall mit meinem Motorrad. Ich wurde von einem Pkw-Fahrer übersehen und kollidierte heftig mit der Seite des Autos. Es folgte ein sehr langer, ca. 16-monatiger Heilungsprozess mit vielen Operationen, Komplikationen und Rückschlägen. Zu dieser Zeit bekam ich starke psychische Probleme und entwickelte einen anderen Blick auf die Welt.

Bevor ich in die Landwirtschaft zurückkehrte, war ich noch 5 Jahre als Lastwagenmechaniker tätig. Dann habe ich mich aus dieser Welt verabschiedet und begann den Hof meiner Eltern zu leiten, da mein Vater schwer erkrankte. Er hatte Krebs und ist schliesslich am 18. Januar 2024 gestorben.
Um einen landwirtschaftlichen Betrieb überhaupt richtig führen zu können und direktzahlungsberechtigt zu sein, habe ich in dieser Zeit noch die landwirtschaftliche Schule besucht. Bereits in dieser Zeit wurde mir klar, dass sich irgendetwas nicht stimmig anfühlt. Zudem war die Schule auf moderne Höfe ausgerichtet und der Betrieb meiner Familie war und ist ein kleiner traditioneller Hof.
Insbesondere das Zusammenleben mit meinen Tieren sieht ganz anders aus, als es uns damals in der landwirtschaftlichen Schule gelehrt wurde. Ich brauche keine Panels oder Viehtreiber. Vor meinen Tieren braucht man sich nicht zu fürchten, da alle Handzahm und unfassbar lieb sind. Dies kommt davon, da ich sie von klein auf, nur mit einem Halsband geführt habe, immer gut zu ihnen war und sie mir vertrauen.  So wurde mir auch im Laufe der Zeit immer klarer, dass meine Tiere keine Nutztiere sind, sondern meine Begleiter, meine Freunde und Familie. Umso schwerer viel es mir, dass ich in regelmässigen Abständen einen Teil der Tiere gehen lassen musste, um meinen damaligen Betrieb so aufrecht erhalten zu können. Jeder Abgang brach mir das Herz und es wurde immer schlimmer.
Als dann noch die tragischen Verluste meiner geliebten Jena und Jara dazukamen, konnte ich nicht mehr anders und musste etwas ändern, den Tieren zu Liebe und auch mir.


Würde ich meine Tiere nicht so sehr lieben und hätte ich nicht die Möglichkeit gesehen einer friedlichen Form der Landwirtschaft nachzugehen, so hätte ich ihr wahrscheinlich den Rücken zugekehrt. Nun aber bin ich wahnsinnig froh, dass meine Tiere einfach bei mir leben und sein dürfen.


Damit das aber so funktionieren kann, bin ich auch auf deine und eure Hilfe angewiesen.
Ich freue mich, wenn ihr ein Teil meiner und unserer Reise werdet und uns dabei unterstützt, indem ihr eine Teil- oder Vollpatenschaft abschliesst.


Voller Vorfreude auf die Zukunft und in tiefer Dankbarkeit


Paul

Wie der Lebenshof Brunnenwiese entstand: Die Geschichte von Jena und Jara.

Eine Geschichte, die zu meiner wurde und seitdem untrennbar mit mir verwoben ist.

 Als Jena zu mir kam, war sie bereits sechs Jahre alt und trächtig mit Jara.

Sie kam im Oktober 2015 auf meinen Hof und wurde, wie bei mir auch, als Mutterkuh genutzt. Milch gab sie zu dem Zeitpunkt keine, weil sie bereits galt gestellt wurde, da man ihr das Kälbchen bereits nach sechs Monaten weg nahm, um es zu schlachten.

Da ich meine anderen Tiere im Maiensäs hatte, musste sie ganze zwei Tage ganz allein im Stall ausharren, was ihr überhaupt nicht passte und dies auch lautstark kundtat.

Doch dann kamen Anja und Ornella. Beide erst etwa 15 Monate alt, ebenfalls fremd und unerfahren. Aber Jena hatte sofort ihre Rolle als Hüterin der beiden Teenies übernommen.

Nach etwa zwei Wochen, kamen die anderen Tiere zurück und sie konnte mit allen Bekanntschaften machen. Von nun an waren alle gemeinsam auf der Weide und es entstanden dicke Freundschaften. Es ging nicht lange und Jena war der die Chefin und meine Leitkuh.

Jena zeigte immer mehr wie intelligent, aufmerksam und schützend sie war.  Meine Beziehung zu ihr wurde von Tag zu Tag stärker, was sie auch spürte. Wir wurden dicke Freunde, die sich vollkommen vertrauten.

Wenn ich die Tiere auf eine andere Weide zügeln musste, lief sie immer ganz vorne bei mir, während sie ihren Hals an mich drückte.

Und da sie die Leitkuh war, folgten die andern ihr, was es mir sehr leicht machte, allesamt auf neue Parzellen zu bringen.

Im Winter war es anders. Jena liebte den Winter ebenso wenig wie ich. Wenn ich die Tiere auf den Laufhof führte, blieb sie bei der Stalltüre stehen, blickte raus und wollte sofort wieder an ihren Platz zurück. Dort musste ich schon anfangen zu schieben. Dies ging so, bis sie auf dem Laufhof war. Dort wartete sie geduldig, bis ich alle wieder in den Stall lies.

Da war ihre Tochter Jara ganz anders. Sie liebte Schnee. Sie sprang herum wie ein Kalb, und drückte ihren Kopf tief in den Schnee.

Einmal bei der Alpung konnte ich beobachten, wie sich eine viel grössere Angus Kuh vor Jena aufbäumte. Da hatte ich Riesenangst um sie.

Doch Jena hat nur einmal den Kopf zur Seite genickt und die beiden gingen friedlich ihres Wegs. Wenn ihre früheren Aufenthalte auf Agate (ein Landwirtschafts-Portal) rückverfolgt werden, ist es mir unerklärlich, wieso Jena sich bei mir so wunderbar verhielt. Bis sie zu mir kam, wurde sie von Hof zu Hof weitergegeben, weil anscheinend die Landwirt*innen Mühe mit ihr hatten.  Aus einer alten und hoffentlich bald überholten Nutzungsperspektive heraus betrachtet, war sie von der Zucht her ein durchschnittliches Tier und materiell nicht besonders wertvoll. Doch für mich wurde sie zum Wertvollsten, was ich je besessen habe. Und dies auch, wenn ich einen Ferrari in der Garage stehen hätte.

Dann kam der 16. Februar 2016 und Jena schenkte mir Jara.

Da ich bis dahin meinen Stall mit Vertragstieren füllte, die nicht mir gehörten und nicht bei mir abkalbten, war das erst meine zweite Geburt.

Die erste war einen Tag zuvor. Da hat Alina Aron zur Welt gebracht.

 Jara war eine Kreuzung aus Original Braun und Limousin und ebenso sehr zutraulich, vertrauensvoll und lieb. Vor allem meiner Mutter wurde sie sehr zutraulich. Meine Mutter ist auch sehr tierliebend, und unterstützt mich auch heute noch mit ihren 70 Jahren bei meinen Arbeiten rund um den Betrieb.

Als ich Aron kastrieren musste, da wir sonst nicht alpen durften, übermannte mich mein schlechtes Gewissen. Ich verabscheute schon da gewisse Sachen, die man mit den Tieren machen musste - wie eben kastrieren, Ohrmarken reindrücken, Ohrstanzproben entnehmen lassen, Spirale einsetzen, Spritzen geben etc. Die meisten der hässlichen Sachen muss ich nun nicht mehr machen, seitdem ich mich endlich von der Nutzung verabschieden konnte.

Als ich Aron kastrieren musste, habe ich ihn von Jara separiert, da er eine Vollnarkose bekam.

Als ich kurz zum Kaffee ging und wieder zurückkam, war Jara zu meinem Erstaunen wieder bei Aron. Sie ist über eine 1,5 Meter hohe Tür gesprungen. Dies zeigt sehr gut, was für eine enge Bindung Tiere eingehen können. 

Ich führe den Betrieb seit dem Jahre 2010 und habe in den 14 Jahren sehr viel Schreckliches erlebt. Was ich schon lange erahnte, spürte und lernte ich in den Jahren im hautnahen Zusammenleben mit meinen Tieren: Auch sie, egal ob Nutztier, Haustier oder in welche Kategorie wir sie auch immer pressen, sie alle haben eine Seele und sind uns in vielen Zügen so ähnlich. In der Landwirtschaftsschule (Plantahof) lernt man, dass die Tiere ein Produkt sind. Und wer seinen Lebensunterhalt als Landwirt mit Nutztierhaltung verdient, muss dies in gewissem Masse auch so sehen, da man sonst wie ich daran zerbricht.

Ausschlaggebend für mich, etwas in meinem Leben zu verändern, war das Jahr 2023.

Am 2. Juni führte ich meine Tiere wie jedes Jahr bei bester Gesundheit auf die Alp.

Dort angekommen, wurden sie von einem extrem streitsüchtigen und aggressiven Rind, dass nicht gealpt werden hätte dürfen, angefallen. Ich habe noch nie ein Tier gesehen, wo sich dermassen böse benimmt. Wahrscheinlich ebenso ein armes Wesen, dass ansonsten unter Bedingungen leben musste, dass ihm nicht entsprach. Da meine Tiere noch Hörner haben, waren sie ihr grösster Gegner. Weil das Rind viel grösser und stärker war als meine, gingen sie ihr so gut es ging aus dem weg. Jara fing etwas abseits vom Geschehen an zu weiden. Doch dann sprintete das wild gewordene Tier mit voller Wucht seitlich in Jara.

Jetzt fällt es mir schwer weiterzuschreiben, da alles wieder hochkommt.

Jara streckte ihre Zunge weit heraus und sie ging zu Boden.  

Ich rannte zu ihr, und scheuchte das andere Tier von ihr.

Beim Aufprall in ihre Seite sind Rippen gebrochen, die sich in die Lunge bohrten.

Jara ist in meinen Armen erstickt. Sie war im sechsten Monat schwanger, und hatte ein fünfmonatiges Kalb, namens Nils, bei Fuss. Nils war auf einmal eine Weise. Er stand auf einen Schlag ohne Mutter, ohne Lehrerin und vor allem ohne Milch da. Katastrophale Zeiten brachen über Nils herein. Seine Welt war zerstört und dementsprechend entwickelte er sich auch ganz schlecht.            

Dieser Vorfall löste auch bei mir ein schweres Trauma aus, dass sich bis heute hartnäckig in meinem Hinterkopf versteckt. Wie vieles andere auch noch.
Da habe ich zum ersten Mal Kontakt zu TransFARMation um Sarah Heiligtag aufgenommen und sie um ihre Hilfe gebeten.

Als ich die Tiere im Herbst einstallte, war Nils nur noch Haut und Knochen. Wenn ich ihn striegelte, fühlte ich jeden seiner Knochen. Doch nach einer Zeit im Stall kam seine Lebensenergie wieder zurück und er konnte sich zu meinem Erstaunen sehr gut entwickeln.

Doch es kam noch schlimmer.

Am 13 August ging ich hoch zu Berge meine Tiere besuchen. Es war ein langer Weg hinauf, da sie sich weit oben auf den Bergen aufhielten.

Alle meine Tiere befanden sich im Täli zwischen dem Faulhorn und Faulberg.

Nur Jena fehlte. Anfangs dachte ich sie sei bei der Tränke. Als sie aber nach geraumer Zeit nicht auftauchte, ging ich zur Tränke.

Als sie jedoch auch nicht da war, wurde ich langsam nervös.

Ich fing an sie zu suchen. Nach langem hin und her laufen, sah ich sie mit dem Feldstecher

Weit unten liegen. Ich zitterte nur noch und musste mich hinsetzen.

Dann raffte ich mich auf und ging zu ihr. Als ich sie Tod auffand, konnte ich nur noch weinen und habe mich bei ihr für alles bedankt, was sie mir gegeben und beigebracht hatte. Ich kümmerte mich noch um den Abtransport mit dem Hubschrauber und ging anschliessend am Boden zerstört nach Hause.

Etwa drei Wochen später kamen Leute zu mir und berichteten, dass der Hirte und der Alpmeister sie zurückliessen, vielleicht in der Hoffnung, dass der Wolf sie reisst oder weil ich nach dem Vorfall mit Jara eine andere Alp suchte. Wenn ein Wolf sie gerissen hätte, hätte die Wildhut ihn erlegen dürfen und ihr «Problem» mit dem Wolf wäre vom Tisch gewesen.

Mit einem tiefen Schmerz des Verlusts und einem Gefühl der Ungerechtigkeit ging ich zur Polizei und erstattete Anzeige. Die Zeugin hat ebenfalls ausgesagt.

Doch da das Tierschutzgesetz etwas anders aufgebaut ist, hat die Staatsanwaltschaft den Fall schnell abgeschlossen, ohne mich überhaupt zu Informieren.

Nach mehreren Gesprächen mit der Staatsanwaltschaft, der Stiftung Tier im Recht und der Tierkanzlei.ch wird der Fall nun erneut aufgerollt.

Ich möchte einfach, dass Jena nicht umsonst sterben musste.

Von Jena habe ich noch einen Teil der linken Ohrmarke, den ich mit ins Grab nehmen werde, das habe ich ihr versprochen.

Nichts ist mehr, wie es war, ohne sie.

Nach diesen Vorfällen war 2024 das erste Jahr in der Geschichte unseres Familienbetriebes, seitdem die Tiere nicht mehr gealpt werden, obwohl das mein Einkommen zukünftig schmälern wird. Zudem besame ich seit dem Jahr 2024 meine Kühe nicht mehr.
Ich möchte zukünftig einfach einen anderen Weg der Landwirtschaft gehen. Ich möchte die so wichtige Biodiversität schützen, Menschen die Begegnung mit meinen Tieren und meinem wunderschönen Hof ermöglichen und insbesondere meinen Tieren das schenken, was ihnen genauso zusteht wie jedem anderen Lebewesen auf diesem Planeten: Ein Leben in Frieden.
  

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Ich freue mich schon darauf, von dir zu hören.

hof.brunnenwiese@bluewin.ch

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